Alle in einem Boot

Seit ein paar Wochen dreht sich alles um Corona.

Manche sind entnervt. Können es nicht mehr hören.

Andere kämpfen um ihr Leben. Oder für das Leben anderer.

Viele merken gar nichts, sind quietschfidel und wollen einfach nur draußen den Frühling genießen.

Das kleine Atelier, mit dem wir seit über zwölf Jahren durch die Selbständigkeit schippern, wird auch gerade kräftig durchgerüttelt.

Wir wollen in diesem Jahr feiern: Dreizehn Jahre Atelier kleine Freiheit!

Und weil das Jahr für uns schon gleich zu Anfang ziemlich krasse Nachrichten bereit hielt, haben wir es schonmal die "Wilde Dreizehn" genannt.

Der Jungfernstieg, seit vielen Jahren unser Revier, soll nämlich (endlich!) rundum saniert und zur Fahrradstraße gemacht werden.

Veranschlagte Bauphase: Schlappe zwei Jahre. Baubeginn nach der Kieler Woche.

Diesen Brocken haben wir zu Weihnachten auf den Gabenteller gekriegt und dachten: Naja, es muss ja sein, aber uff...zwei Jahre verschiedene Voll,- und Teilsperrungen und jede Menge Lärm, das wird unschön. Aber: Frei nach Frau M. sagten wir uns:

Wir schaffen das.

Wollten erstmal locker bleiben.

Und dann kam Corona.

Was aus irgendwelchen Baustellen wird...wer weiss das jetzt schon?

Und: Es gibt definitiv schlimmeres.

Die Frage ist: Was wird überhaupt? Wie kommt man da durch, wie bleibt man gesund, wie kann man helfen?

Uns selbst geht es gut. Bauchweh und Sorgen sind zwar da, aber auch eine Grundstimmung von Hoffnung und Optimismus. 

Die Schließung des Ateliers ist ätzend. Da muss man nicht drum herum reden.

Aber wir sind Kinder des Internet und dürfen uns glücklich schätzen, treue und unterstützende Kundinnen und Kunden zu haben, die sich z.B. schon jetzt einen Gutschein für das nächste Weihnachten sichern. Oder die eines der kleinen Segelboote bestellen, die wir kurzfristig zu "Rettungsbooten" deklariert haben. Denn wir spenden vom Kaufpreis dieser kleinen Silberboote jeweils einen Betrag an Hempels. e.V., die sich für obdachlose Menschen in Kiel engagieren. 

Ja, es wird jetzt eng für viele, sicher auch für uns. Aber manchen geht es schon länger wirklich nicht gut, und die trifft es jetzt noch härter. Daher sagen wir schon jetzt DANKE für Ihre und Eure Mithilfe!

Die ersten der von Ihnen und Euch bestellten Boote aus dem Onlineshop gehen schon in der kommenden Woche auf die Reise, und es gibt auch noch Nachschub. 

Wir sind total begeistert und gerührt.

Jetzt ist Sonntag Abend, und um 19.00 steht bei uns immer eine brennende Kerze im Fenster, wie dieser Tage in so vielen Häusern.

Hoffnungslichter.

Und auch als Dank an alle, die "hands on" dort arbeiten, wo Corona sehr sichtbar und greifbar ist.*

 

Kommen Sie alle gut durch diese wilden Zeiten.

 

p.s. Wir sind überhaupt ganz begeistert davon, wie kreativ vielerorts mit der neuen Situation umgegangen wird. 

Wir turnen jetzt immer fleissig zu Hause mit den Trainerinnen unseres Fitnessstudios - live per Stream. Telegym in Zeiten von Corona.

Und auch der Geigenunterricht der Streicherakademie findet über Skype oder Videochat statt.

Mein Geigenlehrer gibt sich darüber hinaus jeden Abend die Ehre, am offenen Fenster die "Ode an die Freude" zu spielen, immer mit spannenden Variationen. 

Let the music play!!!

 

* Gerade las ich bei Facebook, dass viele aus dem Pflege - und Klinikbereich sagen, dass sie keinen Applaus und keine "warmen Worte" wollen, sondern endlich das, was sie verdienen: Nämlich bessere Arbeitsbedingungen, finanzielle Anerkennung ihrer Leistungen und mehr, viel mehr Kolleginnen und Kollegen. Dem ist wohl nichts hinzu zu fügen. Und ja: Sobald man wieder demonstrieren gehen darf, bin ich mit dabei und mache Lärm dafür. Ich weiss, wie es in Kliniken zugeht und kann ja momentan gar nichts anders tun, als zu versuchen, meine Hochachtung und Dankbarkeit zu formulieren. Immer mit dem Gedanken daran, dass es unbedingt anders werden muss. Das eine sollte das andere vielleicht nicht ausschließen.